Steuerfahnder gesucht - Zelle gefunden

Daniel M., ein ex-Mitarbeiter der Stadtpolizei Zürich, welcher in den Sicherheitsdienst der UBS wechselte und sich 2010 selbständig machte, spionierte seit Anfang 2012 bis Ende 2015 in Deutschland für den Nachrichtendienst des Bundes (NDB). Er sollte herausfinden, welche Steuerfahnder Steuer-CDs kauften und wie diese Käufe genau abliefen (siehe «Eine Groteske aus der Spionagewelt»). Drei Fahnder konnte er identifizieren, und in der Folge erliess die Bundesanwaltschaft Haftbefehle gegen sie.

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Agenten des NDB kommunizieren mit prepaid Telefonen von COOP

Anschliessend installierte der Agent mit 90,000 Euro des NDB angeblich einen Maulwurf in der Finanzverwaltung Nordrhein-Westfalen. Am 28. April 2017 fand die Mission ihr Ende, der Möchtegern-Spion wurde in Frankfurt verhaftet.

Alex Kuprecht, der Präsident der parlamentarischen Geheimdienstaufsicht (GPDel), welche den NDB überwacht und kontrolliert, wusste gemäss eigener Aussage gegenüber dem «Blick» nicht, dass ein Mitarbeiter des NDB in Deutschland sein Unwesen trieb. Am Abend des 2. Mai 2017 ist die Schweizer Botschafterin in Berlin, Christine Schraner Burgener, vom deutschen Aussenministerium «zu einem Gespräch eingeladen» worden. Am 3. Mai 2017 räumte die Vize-Präsidentin der GPDel, Corina Eichenberger, ein, dass der NDB vor etwa 5 Jahren über die Operation informiert habe. Obwohl der NDB gemäss dem immer noch gültigen Gesetz weder verdeckte Ermittlungen führen noch den Finanzplatz schützen darf und auch nicht für die Verfolgung von Straftaten zuständig ist, sah sich die GPDel vor 5 Jahren nicht genötigt, etwas zu unternehmen.

Der Nachrichtendienst, die Bundesanwaltschaft und der Bundesrat wussten angeblich von nichts und hüllten sich in Schweigen. Valentin Landmann, der Anwalt von Daniel M., ersuchte den NDB um eine Kostengutsprache für das Verfahren in Deutschland, was der NDB am 3. Mai 2017 schroff ablehnte. Valentin Landmann streute darauf postwendend den Haftbefehl von Daniel M. mit vielen pikanten Details breit an Medien in Deutschland und der Schweiz. Er hegte auch den Verdacht, dass Daniel M. von Schweizer Behörden verraten worden sei.

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Auszüge aus dem Haftbefehl

Am folgenden Tag hielt die GPDel Meetings mit dem Nachrichtendienst und der Bundesanwaltschaft ab, und am Abend verkündete Alex Kuprecht, dass keine Informationen aus einer Bundesstelle nach Deutschland geflossen seien.

Zwei Tage später war alles wieder anders: Aufgeflogen ist der Schweizer James Bond, weil er in einem Strafverfahren fröhlich ausplauderte, dass er für den NDB arbeitet und dies mit vielen Details untermalte. Im Rahmen einer Akteneinsicht hat die Bundesanwaltschaft das Verhörprotokoll an drei mitangeklagte Personen verschickt, auch in Deutschland. Der Rest ist bekannt.

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Michael Lauber: Jetzt ziehe ich den Stöpsel, dann säuft Daniel M. ab! - Markus Seiler: Cool, das will ich sehen.

Das neue Nachrichtendienstgesetz mit einer massiven Ausweitung der Kompetenzen des NDB listet offenbar einfach alles auf, was der NDB illegalerweise ohnehin längst macht, obwohl BWIS II mit der praktisch identischen Kompetenzerweiterung vom Parlament abgelehnt wurde. Ab dem 1. September 2017 darf der NDB dank des neuen Nachrichtendienstgesetzes legal derartige Missionen im Ausland durchführen, ohne allerdings eine Strafverfolgungsbehörde zu sein. Er wird bestimmt bald ein neues Fettnäpfchen finden und die Schweiz noch lächerlicher machen. Daran wird auch die neue «unabhängige Nachrichtendienstaufsicht», welche administrativ dem Generalsekretariat des VBS angegliedert wird, nichts ändern. Am 10. Mai 2014 hat der Bundesrat auf Antrag von Verteidigungsminister Guy Parmelin als deren Leiter den ex-Nachrichtendienstler Thomas Fritschi gewählt.

Während Aussenminister Didier Burkhalter empfiehlt, die ganze Sache «ein bisschen zu vergessen», sind in Bern die Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft (AB-BA), eine Subkommission der Geschäftsprüfungskommission und die Geschäftsprüfungsdelegation in den Startlöchern für eigene Untersuchungen oder haben bereits damit begonnen. Der in Deutschland inhaftierte Daniel M. wird möglicherweise als Kronzeuge aussagen und noch mehr Peinlichkeiten ausplaudern. Zudem hat das Bundesamt für Justiz am 2. Dezember 2010 in einem geheimen Gutachten festgehalten, dass die geltende Gesetzesgrundlage nicht genüge, um den Auslandnachrichtendienst zu befähigen, die wirtschaftlichen Interessen der Schweiz mit nachrichtendienstlichen Mitteln zu schützen.

Aus Angst vor Verhaftung getrauen sich mehrere Schweizer Geheimdienstmitarbeiter, darunter der Stellvertretende Direktor Paul Zinniker, nicht mehr ins Ausland, nachdem ihre Namen in der Spionageaffäre bekannt wurden.

Gemäss Mitteilung der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft enthielt bereits das erste Rechtshilfeersuchen an die Generalstaatsanwaltschaft Nordrhein-Westfalen vom Dezember 2010 die Namen und weitere Angaben zu den Verdächtigten. Die drei Haftbefehle gegen Deutsche Steuerfahnder wären daher auch ohne Daniel M. ausgestellt worden.

Die Mitgliederversammlung von grundrechte.ch vom 18. Mai 2017 hat eine Resolution verabschiedet und verlangt vom Bundesrat die sofortige Sistierung der für September 2017 geplanten Inkraftsetzung des neuen Nachrichtendienst-Gesetzes NDG, bis die Spionage-Affäre um Daniel M. restlos aufgeklärt ist.

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